B48 bei Nacht

B48 bei Nacht
von Veronika Olma

2007, Eitempera auf Baumwollsegel, 160 x 140 cm

"B48 nachts"

Es ist eine Himmelfahrt, ein Zoom auf die Welt.
Ein Haus, vom rechten Bildrand angeschnitten, von dort ein Weg zur unteren Bildmitte,
darauf eine Frau, die ein Fahrrad schiebt.
Vogelperspektive, Figur und Rad in extremer Verkürzung, Draufsicht.
Eine helle Markierung, die in ihrer Biegung den Richtungswechsel vorgibt,
darüber ein Gullydeckel, in grauem Rund zentriert.
Oben links noch ein Haus, mit vorgeklappter Fassadenansicht, kulissenhaft, Fensteröffnungen, Dachgaube, Kamine und Gartengeviert nur angedeutet.

Eine Szenerie im Dunkeln, spotartig beleuchtet, lockt zum Dialog. Ein subtiles Beziehungsgefüge entspinnt sich, eine Sogwirkung ist intendiert.
Hauptakteurin die Frau: woher kommt sie, wohin geht sie?
Welchen Weg wird sie einschlagen, welche Querung, welche Passage wird sie noch unternehmen in ihrem Leben?  Der Betrachter ahnt den Plot, das Drehbuch schreibt jeder selbst zu Ende.

Hell-Dunkel-Kontraste, realistische Figuration und abstrakte Verfremdungen, feinste Pinselzeichnung neben pastosem Farbauftrag. Wohldosierte Farbigkeit ins Schwarze eingetaucht. Tiefgründig changierende Farbmaterie: Pigmente, Öl, Eier, Wasser, auf Leinwand, nicht mehr und nicht weniger.

Der Bildtitel benennt eine Nord-Süd-Verbindung in Rheinland-Pfalz, die in 126 Kilometern von Bingen nach Bad Bergzabern führt, die Bundesstraße 48, und verweist auf den biographischen Hintergrund: Das Atelier der Künstlerin liegt an der tagsüber verkehrsreichen Straße, die nur wenige Stunden in der Nacht zur Ruhe kommt!

Dr. Susanne Liehr,
Kunsthistorikerin,
Berlin