Eröffnungsrede LGA Kunstsommer

 

Damit zu Gabriel Gruß

Er ist 1977 in Alzenau-Wasserlos geboren und lebt heute in Mannheim.

Auf das Ausstellungsthema angesprochen reagierte er sofort. Dies ist mein Hauptthema, in dem ich künstlerisch arbeite. Es sind nicht die weit entfernten Orte, meist osteuropäische Landschaften und Küstenorte sowie London, sondern es ist der unversperrte Blick, der Blick in die Weite, der durch einen spannungsreichen Aufbau in seinen Bildern erzeugt wird. Im Wechselspiel zwischen Technik und Malerei bedient sich Gabriel Gruß bei seinen Kompositionen einer Panoramakamera, die die Aufnahme eines weiten Bildausschnittes erlaubt.

 

Farbe wird bei ihm nicht in dünnen Schichten aufgetragen, sondern die Farbe auf der Bildfläche ist haptisch erlebbar. Der Künstler arbeitet mit der heute selten verwendeten Technik der Enkaustik. Wachs wird geschmolzen und mit der jeweilig aufzutragenden Farbe vermischt und auf den Bildträger, Leinwand aufgetragen. Gabriel Gruß gelingt mit dieser Technik die Darstellung atmosphärischer Transparenz. Nebel und Dunst schimmern in vielschichtigen Farbschattierungen, da die Wachsschichten in Lasuren vielfach übereinander aufgetragen werden.

Weite wird erzeugt durch die Wahl des Ortes, die malerische Technik, als auch durch gezielte, kunsthistorisch in die Malerei der Romantik zurückreichende, niedrige Setzung der Horizontlinie.

Die menschliche Existenz ist der Bedrohlichkeit der Weite ausgesetzt. Die Position des Bildbetrachters wird von Künstler bewusst einbezogen, um ihn wie im Bild Seebad unendlich in die Tiefe blicken zu lassen.

 

Christina Pallin-Lange (Kunsthistorikerin)