Was Alltag und Sport so hergeben (Münchner Merkur 9.2.08)
Ausstellung der Bayerischen Förderpreisträger in der Münchner Galerie der Künstler
So richtig animiert wirde der Neugierige zum Besuch der Ausstellung der "Bayerischen Förderpreisträger Bildende Kunst 2007" nicht, wenn er die Galerie der Künstler (Berufsverband Bildender Künstler) betritt. Annegret Hochs ungegenständliches Gemälde, ganz vorne positioniert, ist farbenfroh, aber konventionell. Zum Glück hat man da jedoch schon einen Blick in die Tiefe der Halle geworfen und wird von einem mächtigen, luftig und frei agierenden Wandgemälde, ebenfalls von Hoch (38), angelockt. Ausgezeichnet wurden zwei Maler, zwei Installations-Künstler sowie ein Möbeldesigner mit einem Spezialpreis. Thorsten Franck (37) entwirft kein Interieur für die Ewigkeit, sondern witzige, wandelbare Objekte. Braucht man eine Stehlampe mal da, mal dort - kein Problem. Francks Lehn-Lampe - wie auch Uhr, Spiegel, Garderobe - ist an einem Besenstiel montiert und kann nach Bedarf überall angelehnt werden. Dieser Objekt-Charme passt in der Ausstellung bestens zu den "Skulpturen" von Alfred Kurz und Stefan Wischnewski. Nur die braven gegenständlichen Bilder von Axel Gercke (28) fallen heraus und belegen, dass er seinen Weg als Maler (noch) nicht gefunden hat. Kurz (35) greift sich Alltagsmaterialien jeglicher Art, egal ob Geldstücke oder Gartenzwerge. Jetzt sind es dreieckige Warnschilder mit Alterspatina. Dreieck an Dreieck, richtig gefügt, ergibt ein großes Dreieck, und davon drei aneinandergelehnt eine Pyramide, die bei Kurz "Tut Ench Achtung" heißt. Da fahren schon mal die Piktogramm-Radler kopfüber, und die Autos kommen noch viel schlimmer ins Schleudern als abgebildet. Aufkleber (Love Kraken Team) und Graffitis (Moosach) erzählen zusätzlich Geschichten von wilden "Kunstaktionen" im öffentlichen Raum. Wischnewski (33) hält sich eher daran, was Sport und Freizeit so hergeben. Mit "Wandschoner" schont er nicht Wände, sondern setzt an ihnen Segel - aus Dia- Leinwänden. Tennis- Fußballtor- und Basketballnetze werden bei ihm zu einer transparenten Großskulptur, bei der ein wie der Hut geschwungener Oval-Zylinder einen Doppelkegel umschließt. Kompliziert - und einfach schön.
Simone Dattenberger
