NZ 19.07.2007
Fotografie und Malerei im Zumikon Die Kunst der Auflösung Nachtschattengewächse sind extrem giftige Pflanzen. Bewusstseinstrübungen sind im Falle des Überlebens noch die mildesten Begleiterscheinungen. Ihr lateinischer Name lautet «Solanum dulcamera», und da steckt sowohl Sol (Sonne), als auch camera (Kammer oder Kamera) drin. Solche Wortspiele reizen den Fotografen. Deshalb hat Peter Ortner auch zwei Aktaufnahmen nach dem Nachtschatten benannt. Ortner, der nur analog fotografiert und sich bei den Arrangements viel Zeit lässt, pflegt (wie so viele Fotografen und Maler auch) die Kunst der bewussten Unschärfe. Seine Akte, die er im Zumikon zeigt, sind so abstrahiert, dass sie an Klecksbilder aus dem Rorschach-Test erinnern. Seine Paare aus «Nebelland» arrangiert er zwischen Plastikfolien, was der Begegnung jeden Eros austreibt. Grandios gestaltet Ortner eine Bildfolge, inspiriert von Baudelaires «Blumen des Bösen». In diesen großformatigen Porträtaufnahmen weiblicher Gesichter lotet er die Kunst der Schärfenziehung zwischen Porentreue und der Auflösung der Kontur spannend aus. Weit mehr als eine bloße Illustration zu Baudelaire nehmen diese Porträts den Betrachter auch ohne Textkenntnis gefangen.
