Galeriestreifzug, Nürnberger Nachrichten vom 30.10.2009

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Kolonie von Hängenestern

Es ist eine rätselhafte Welt, die Anna Handick im Galeriehaus Nord eingerichtet hat.
Rätselhaft deshalb, weil sie auf wundersame Weise vital und morbide zugleich erscheint.
Die 1985 geborene Nürnberger Bildhauerin und Zeichnerin, an der Kunstakademie
Meisterschülerin von Claus Bury, spürt mit ihren Objekten den Tierbehausungen nach, die
sie auf ihren Reisen durch Lateinamerika entdeckt hat.

«Kolonie« nennt sie folgerichtig und sehr passend das Ensemble von raumhohen,
kalabassenförmig-dickbauchigen Hängenestern, die gleichsam schwebend von der Decke
fast bis zum Boden reichen. Handick hat diese Rückzugsorte aus grober Paketschnur
gehäkelt und sie mit einem schlauchartigen Zugang versehen.

Archaisch wirken diese Gebilde, die mit den feinen Tusche-Zeichnungen an der Wand
korrespondieren - ganz so, als hätte die Natur diese Art von Behausungen schon vor
Urzeiten ausgeklügelt. Der Betrachter darf seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich
ausmalen, welche Lebewesen wohl in solchen Nestern wohnen, die so viel Geborgenheit,
schwerelose Ruhe und schlichte Ästhetik ausstrahlen.

Wie fragile, exotische Ei-Formationen, aus denen das Leben gerade für immer entschlüpft
ist, wirken dagegen die hellen, brüchigen Objekte aus Strohpapier an den Wänden des
Galeriehauses. Wie die Wesen, die diese luftig-morbiden Relikte verlassen haben, wohl
aussehen, ist auch hier eine Frage der Vorstellungskraft. (Wurzelbauerstr. 29. Bis 15.
November. Di.- Mi. 11-16, Do.-Fr. 11-13, So. 11-16 Uhr. Führungen werden jeweils am 1.
und 15. November angeboten; Tel. 0911/553387)

Bernd Zachow/Birgit Nüchterlein