keine hexen...

von Andreas Greulich

 

Die Malerei ist heute das klassischste Medium mit dem höchsten Ansehen in der Bildenden Kunst und kann auf eine lange Tradition der Entwicklung und Neuerung blicken. Gerade in der jüngeren Kunstgeschichte wurden in der Malerei jene Fragen der Kunst vorformuliert, die dann auf die anderen Disziplinen übertragen wurden. Dies ist einerseits Chance aber auch Bürde für junge Malerinnen und Maler aber auch für die Malerei an sich. Zu oft suchen Künstler nach Rezepten, mit denen sie sich in dieser Königsdisziplin der Kunst zu behaupten suchen. Und es gehört zur Natur der Sache, dass das nicht immer gelingt.

Für mein Empfinden verbindet gute Malerei das ausgewogene Verhältnis von formaler, kunstimmanenter Diskussion und inhaltlicher Diskussion. Kurz gesagt, die Fragen: Wie male ich? Und was male ich? sollten mehr oder weniger gleichberechtigt behandelt werden. Dies mag eine banale Erkenntnis sein. Dennoch wenn man sich die heutigen Ausstellungen und Kunstmessen anschaut sieht man, dass es nicht einfach ist dieser banalen Erkenntnis zu folgen. Denn im Betreib der großen Ausstellungshäuser und der Kuratoren überwieg in der Regel der Konzeptuelle Ansatz über der Malerischen Diskussion. Oft würde ein kurzer Hinweis auf den Gedankengang des Künstlers reichen, der dann doch nicht von der Malerei eingelöst wird.

Auf der anderen Seite ist der Kunstmarkt übersät mit leidlich guten Malern, die schöne Bilder malen, aber leider keine Ahnung davon haben, was sie malen sollen. Dekoratives und belangloses macht sich da breit.

Aber keine Angst ich liefere hier jetzt keine Abrechnung mit dem Kunstmarkt und den Ausstellungskuratoren. Ich sage das jetzt nur um Ihnen zu verdeutlichen, dass wir hier in der Ausstellung von Kyra Claydon eine Malerei sehen können, welche die inhaltliche und formale Diskussion gleichermaßen gekonnt bedient. Und das sieht man nicht allzu oft.

Alles andere als malerische Bescheidenheit strahlen die Gemälde Kyra Claydons aus. Deftiges Blau und Rot leuchten von der Leinwand dem Betrachter zu. Und so tragen auch die Figuren, die die ehemalige Städelschülerin immer wieder durch ihre Bilder schweben lässt, ein gewisses Selbstbewusstsein zur Schau. Ganz gleich ob kleine Kinder durch die Luft fliegen oder Frauen im eleganten und modischen Outfit. Ganz bei sich scheinen diese Figuren zu sein. Und so ist auch diese Malerei ganz bei sich selbst und gibt keine Hinweise auf das, was gerade so „en vogue“ ist. Da malt eine Künstlerin offensichtlich so wie sie muss, und das ist gut so.

 

Formal gesehen ist diese Malerei ohne Vergleich in der jungen deutschen Kunstszene. Cyra Claydon bedient sich bei ihrer Bildfindung zum Teil der modernen Werbewelt – das alleine ist noch nicht ungewöhnlich; sie übersetzt aber diese Motivik in eine Malerei, die inspiriert scheint von südamerikanischen oder indischen Einflüssen. Interessant wäre tatsächlich, hier mal genauer nach Entsprechungen und Unterschieden zu suchen. Bei Cyra Claydons Malerei geht es zuweilen leicht ins Naive. Dies hängt einerseits mit der Farbwahl zusammen. Die Farben lassen in ihrer Kraft und Klarheit keinen Kompromiss zu. Fast schreiend leuchten sie zuweilen von der Leinwand herab. Auf der andren Seite hängt dies auch mit der malerischen Auffassung der Figuren zusammen. Etwas steif und ungelenk sind die Körper; und auch die Gesichter sind einerseits individualisiert, andererseits ein wenig schematisiert. Ebenso zeigt die Lichtführung ein entschiedenes Spiel von Licht und Schatten. Nuancen sind nicht Sache dieser Malerei, auch das Schattenspiel manchmal etwas subtiler zu sehen ist.

Eine der immer wieder aktuellen Formalen Ansatzpunkte in der Malerei ist die Behandlung des Raumes. Der Bildraum der Gemälde Kyra Claydons changiert zwischen Farbraum und Perspektivraum. Dabei macht es den Eindruck, das der Bildraum scheibenartig übereinander gelegt ist. Auch wenn sich Landschaften nach hinten ziehen. Für mich macht es da manchmal eher den Eindruck, als ob die Figuren vor einem bild von Landschaft schweben. Dies ist nicht ganz unerheblich denn es gibt auch ganz andere Ansätze, bei denen der Bildraum surrealistisch ineinander verschachtelt sein kann. Die kann man momentan in dieser ganzen Nachfolge vom Malerstar Neo Rauch sehen. Nur wird es da oft zur Manier. Inhaltslos und rein Dekoration. Bei Cyra Claydon gibt es das in der Form nicht. Kann es nicht geben, weil es inhaltlich nicht notwendig ist. Denn es geht um Figur, Figuren und Hintergrund. Da muss es die Malerin nicht noch formal aufblähen.

Auch wenn wir Himmel sehen ist in dessen Darstellung eine kompromisslose farbliche und räumliche Behandlung zu erspüren. Die Farben sind oft flächig aufgetragen und riegeln die Bilder nach hinten abstrakt ab – auch wenn zuweilen Wolken oder Bergketten in das Bild gesetzt sind.

Der flächige dennoch manchmal etwas schlierige Farbauftrag vermittelt den Eindruck einer malerischen und kompositorischen Reduzierung unwesentliches scheint weggelassen. Die Menschen scheinen losgelöst, ganz bei sich selbst zu sein. Zuweilen schauen sie dabei knapp am Betrachter vorbei. Auf irgendein Ziel hin. Und dann beginnt das Erzählerische Moment der Gemälde an zu wirken. Wobei sich die Geschichte schließlich beim Betrachter entwickeln muss.

In den neuesten Arbeiten der Malerin werden die Kompositionen mit weiteren Elementen angefüllt. Losgelöst schweben da abstrakte Lichtpunkte durch den Raum, aber auch Manga-Mädchen und ein Frosch mit Brille und Schal. Kyra Claydon bedient sich ganz offensichtlich bestimmter Attribute, die ihre Bilder inhaltlich aufladen – Symbolik macht sich breit. Manches nimmt Bezug zur Welt des poppigen Konsums, andres strahlt die übertriebene Eleganz der Opernbühne aus. Die Künstlerin entwickelt dabei eine eigene Bildsprache, die es zu erschließen gilt. Dabei sind die Bildtitel gleichsam als kleine Hinweise zu lesen: Sprintsisters : trau dich einfach!, Miss Atomic Blast, Dragonblast : bei mir bist du schön, Miss Univers : .... bring me Edelweiß oder "La Fee...“

Was allerdings nicht klar wird ist, welches Weltbild in diesen Bildern eigentlich vermittelt wird: Wir sehen da Frauen, meist jung und in einer gewissen poppigen Schönheit, allerdings ein wenig naiv überhöht. Modische Accessiores sind zuweilen wichtiges Beiwerk. Repräsentation und Schein spielen ganz offensichtlich eine Rolle. Die Bezugspunkte sind zunächst einmal das, was man als die Welt der Popkultur umschreiben würde. Wobei keine klaren Szenetypen charakterisiert sind.

Die Figuren sind immer isoliert, einmal räumlich aber ebenso auch inhaltlich. Interagieren mit anderen Figuren fällt mangels Masse aus. Wie bereits erwähnt bahnt sich manchmal ein leichter Kontakt zum Betrachter an, mehr aber auch nicht. Nach verschiedenen Seiten offen lesbar ist auch das Frauenbild, das uns die Malerin vermittelt. Da ließe sich sicherlich trefflich länger darüber diskutieren. Selbstbewusstsein und Oberflächlichkeit sind die beiden Begriffe, zwischen denen die jungen Frauen in ihrer „Selbstdarstellung“ mäandern. Ich selbst bin noch nicht zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Man weiß nicht genau ob eine kritische Haltung oder Wohlgefallen an den Motiven die Thematik beherrscht. Es ist kurios und zeichnet diese Arbeiten aus, dass sie auf der malerischen Seite sehr deutlich und kompromisslos sind, inhaltlich aber nicht leicht zu fassen sind. Für mein Empfinden ist dieser Gegensatz aber wesentlich für diese Arbeiten.

 

 

Frankfurter Rundschau 17.Nov 2007

Frauen im Fluggewand

von Andrea Rost

Lasziv liegt die Frau im roten Kleid auf dem gelben Sportflitzer. Das Gesicht von blonden Locken umrahmt, kleine rote Flügel wachsen ihr aus dem Rücken. "Rent a Boy: Shopping - Choosing Granny’s Birthday Present", heißt das Bild, an dem Kyra Claydon in ihrem Atelier auf dem Zauberberg gerade arbeitet. Noch hat es kaum jemand gesehen. Das farbenprächtige Werk ist für eine Ausstellung bestimmt, die von Februar kommenden Jahres an in der Galerie der Frankfurter Heusenstammstiftung zu sehen sein wird.

Jeden Tag ist die Künstlerin in den vergangenen Wochen an der Staffelei gestanden. Meist tagsüber, weil dann im hellen Licht die Pigmente der Ölfarben besser zur Geltung kommen. Kyra Claydons Blick wandert zum Fester. "Das ist der Grund, warum ich hier oben arbeite", sagt sie und deutet nach draußen. Zu Füßen des Zauberberges liegen Ruppertshain, Fischbach, weiter hinten Kelkheim. Am Horizont stehen rauchende Schlote, dahinter ist der Frankfurter Flughafen zu erahnen.

Der freie Blick in die Weite passt zu Kyra Claydons künstlerischem Tun. Schwebezustände, das In-Frage-Stellen des Realitätsbegriffs, Zwischenwelten und Zeitreisen - all das sind Themen in ihren Bildern. Fast immer spielen Frauen die Hauptrolle. Ihre Kleider sind dabei Machtdemonstration und Fluggewand in einem. Sie setzen sich über Dinge hinweg, fliegen durch Raum und Zeit, sind "narrative Momentaufnahmen ohne den Kontext einer vorgestellten sozialen Realität", wie einst ein Kritiker schrieb.

"...keine hexen" heißt eine Ausstellung im Hofheimer Kreishaus, bei der noch bis 22. November zehn Arbeiten von Kyra Claydon zu sehen sind. Eines von ihnen, mit dem Titel "Sprint Sisters - Trau dich einfach" hat Landrat Berthold Gall (CDU) schon für die Kunstsammlung Main-Taunus angekauft. Kyra Claydon ist stolz darauf. Sie ist in Frankfurt aufgewachsen, ihr Vater ist Engländer, ihre Mutter Deutsche. Als Jugendliche erlebte sie das politische Engagement ihrer Eltern in der linken Frankfurter Szene, studierte nach dem Abitur an der Städelschule, bekam anschließend ein Stipendium in Paris bei Christian Boltanski. Seine Art zu arbeiten, sich mit der eigenen Vergangenheit und fiktiven Personen auseinanderzusetzen, habe sie geprägt, sagt Kyra Claydon. Weitere Studienaufenthalte führten sie nach New York und Italien.

Wenn Kyra Claydon ein Bild malt, dann hat sie keine fertige Idee im Kopf. "Ich stehe dann mit all dem, was ich bin, vor der Leinwand und fang’ einfach an", sagt sie. Die Bilder entwickeln sich von alleine und sind eines Tages fertig, so wie "Rent a Boy - Choosing Granny’s Birthday Present" +. Nur noch wenige Pinselstriche fehlen, dann schwebt die Frau im roten Kleid auf dem gelben Flitzer über den blauen Himmel. Bunte Luftballone und eine Mickymaus sind ihre Begleiter. Wolkenkratzer ragen im Hintergrund in die Höhe. Auch eine Geschichte gibt es dazu zu erzählen: "Die sind auf dem Weg ins Bordell", sagt Kyra Claydon. "Auf der Suche nach einem knackigen jungen Liebhaber als Geburtstagsgeschenk für ihre Großmutter."

+ endgültiger Titel heute "Meat Love", 200 x 140 cm, Öl auf Leinwand, siehe hier unter Arbeiten

 

english Version

Where is Eve?

What happened?
“The knife! What have you done, child?” Our attention is fi rst drawn to the girl’s hand holding the knife and then to her face, which we try to interpret. It frightens us, but are we still frightened if we lose sight of the knife and focus only on her face? We cannot tell what is happening, although it seems clear. Kyra Claydon’s paintings are like snapshots: They could be part of a story, but they are as diffi cult for us to grasp as it would be to reconstruct an unfamiliar story from a single sentence. It would always be the „other affair“.(Nur eine andere). We tolerate open-ended stories only reluctantly of course, those we cannot quite make neither head nor tail of, and all too often we display the shallow tendency towards deep psychoanalysis. We want pictures that fi t into a story!
„Make it real“. Yet no painting goes deeper than its foundations, so let‘s take a look and think about the background. Kyra Claydon’s paintings are often mostly monochrome, cadmium red, royal blue, perhaps with fl uffy, candy-fl oss clouds, sometimes almost black, or ultramarine, with roses and orchids here and there.
But these are most certainly not fl uffy. The background gives us no clues about the story however. They refl ect and play with the composition of classic ad posters: „Persil is Persil“. Even Claydon’s artistic technique reminds us of painting styles used in advertising. But her painting technique immediately rejects this impression by creating another impression of seemingly naïve, awkward fi gures. Of course, these paintings refuse the world of advertising, and dare to do it by exploiting ideas from advertising compositions.
The backgrounds do not want to advertise their foregrounds. In contrast to the many “realists”
from Leipzig and elsewhere, Kyra Claydon refuses to put her fi gures in a context of social reality, but
there is also no defi nite reality. Her fi gures do not have any ground to stand on in terms of fixed positions.
“Make it real”. They hover in the forefront, as I said, sometimes among the clouds, just airy shapes.
 

Eve has gone
Her paintings are not completely without context of course. It is just that to read this context is as lighthearted, yet as serious, as reading a text in which one sentence comes waltzing down a red carpet, while the next one pulls this carpet from under it with an ironic laugh. Let’s take a look at “Lilith and Adam”. Lilith, according to the legend that lives on outside the holy books, was Adam’s fi rst wife. And she was not made from his rib. Looking at the frog we have no trouble calling to mind “The Frog King” by the brothers Grimm. When we look between the girl’s face, her left hand and the frog, there can be no doubt that there is a problem in the relationship between them. But what is it? Lilith’s face shows both intelligence and severity, her body is awkward and naïve, her arms chubby, obviously she is not a woman.Who opts for the snake of seduction? but not really. What game is actually being played here? Does Lilith, the king’s daughter from the old fairy tale, transform herself into something new, and others into frogs? Is the “Flying Witch” grown up? In the cabala, Lilith is the queen of the night, of evil and mother of many demons. In this painting she is a woman for sure. But where is Adam, the frog, a man? We have already talked about posters, and this is not an advert: the eroticism of these paintings has nothing to do with either the housewife or Lolita and Lulu.
 

The undistorted view
But we are defi nitely dealing with another fairy tale here, Anderson’s “The Emperor’s New Clothes”, namely those new clothes of the mainstream. He initially ended the story with everybody admiring the emperor’s new clothes. Yet no-one wanted to show that he was unsuitable for offi ce or was unforgivably stupid by demonstrating either his skepticism or his clear view. But after all, Anderson did give us the original model for an intellectual, an artist, in the form of a small child exclaiming, “But he hasn’t got anything on!” He must have pointed with his fi nger in exactly the same way as the “Hovering Diva”. The plushy hem of her white and red skirt – you can almost feel the upward lift – is jetting her away, singing and laughing, out of this reality. In any case out of a world where you cannot consider “nothingness” as nothing if you do not want to fall into the void. ...And the hovering Diva is a vamp.

Prof. Dr Hans-Joachim Strauch (Übersetzung: Dr. Jeremy Gaines)

Vita Francais

Formation

Depuis 2001-2008 exercise à titre d´Artiste contemporaine, textes selon la déconstruktion sémiotiquede de la réalitée en domaine de sa peinture

1992 Fin d'études "Städelschule" Francfort sur le Main,

jusqu'à 1998 emploi autant que therapeut de l´art

1990 Séjour d'études à New York

1988 Bourse d'étude École National Supérieure des Beaux

Arts Paris, dans la classe de Christian Boltansky, jusqu'à 1992 domicile à Paris et Francfort

1986 Études à la "Staatlichen Hochschule für Bildende

Künste, Städelschule dans les classes de Prof. Thomas Bayrle et Prof. Christa Näher

Donations des fonds culturels (Sélection)

2008 Office culturel de Francfurt sur le Main

2006 Office culturel de Francfurt sur le Main

2004 Hessois Ministère de la Science et de l´Art, Wiesbaden

2005 Hessois Ministère de la Science et de l´Art, Wiesbaden et Ministère de la Science et de l´Art, Frankfurt (Catalogue)

 

Expérience professionnelle, Expositions

2008 Modan-Garu, Galerie de la Fondation-Heussenstamm, Frankfort sur le Main

2007 ...non pas des sorcières, Galerie im Kreishaus, Hofheim

2007 flying Girls, exposition à la "Montagne Magique", Königstein

2006 make it real, Musée municipale de Bad Soden am Taunus (Catalogue)

2005 Foire internationale d’art contemporain "Art" Francfort avec Galerie Portikus

2004 Exposition de groupe, Schulstraße 1A, Francfort sur le Main

2004 articulation morphologique, cercle culturel de Kronberg, Hellhof

2002 rent a boy 17, with fairytail, Königstein Allemagne

 

Curateurs d´expositions individuelles (Sélection)

Prof.Dr. Hans-Joachim Strauch, Weimar, Juge et Philosoph

Dr. Klaus Klemp, Francfort/Main, Directeur d´expositions Musée d´artisanat d´art

Andreas Greulich, Francfort/Main, Historien de l´art et Galerist

Dr.Hubert Beck, Francfort/Main, Curateur au musée d´art Moderne

Dorothee Baer-Bogenschütz, Journaliste FAZ et Kunstzeitung

 

Collection Objets Art (Sélection)

2007 Collection d´art de la Fondation Region Main-Taunus

2006 Collection d´art privé, Cologne

2006 Direction des finances, Francfort sur le Main